Ein Beschluss des Bundesausschusses der NaturFreunde Deutschlands vom 20. März 2026
Die NaturFreunde Deutschlands haben sich nochmals klar gegen die Rückkehr staatlicher Zwangsdienste positioniert. Ein aktueller Beschluss des NaturFreunde-Bundesausschusses macht deutlich: Wehrpflicht, Pflichtjahr und jede Form vorbereitender Zwangsrekrutierung sind Angriffe auf die Selbstbestimmung junger Menschen. Ein entsprechender Antrag war gemeinsam von der Naturfreundejugend und dem NaturFreunde-Erwachsenenverband erarbeitet und zur Abstimmung vorgelegt worden.
Gerade in einer Zeit, in der die Debatte um Wehrdienst und Musterung wieder forciert wird und Tausende Schüler*innen dagegen auf die Straße gehen, ist diese Klarheit nötig. Junge Menschen engagieren sich längst in hohem Maße freiwillig für Demokratie und Gesellschaft. Was fehlt, ist nicht Pflichtbewusstsein, sondern politische Unterstützung für freiwilliges, ziviles und soziales Engagement.
Der Beschluss fordert deshalb den Ausbau von Freiwilligendiensten, eine bessere Förderung der Jugendverbandsarbeit und starke unabhängige Beratung zur Kriegsdienstverweigerung. Die NaturFreunde stellen sich damit an die Seite der jungen Generation – gegen Zwang und Militarisierung, für Freiwilligkeit, Frieden und demokratische Teilhabe – und rufen Mitglieder dazu auf, junge Menschen, Jugendverbände und Schüler*innen bei ihren Protesten aktiv zu unterstützen.
Beschluss: Freiwilligkeit statt Zwang – Nein zur Wehrpflicht
Die aktuelle Debatte um eine mögliche Reaktivierung der Wehrpflicht zeigt, dass jüngere Jahrgänge vor der realen Perspektive einer zwangsweisen Einbindung in militärische Strukturen stehen. Dies stellt einen erheblichen Eingriff in die individuelle Freiheit dar und widerspricht dem Anspruch einer selbstbestimmten Jugend. Besonders problematisch ist dabei die Möglichkeit, eine Bedarfswehrpflicht bei Nichterreichung der erwarteten Rekrutierungszahlen wieder einzuführen. Diese Konstruktion schafft dauerhafte Unsicherheit für junge Menschen.
Junge Menschen engagieren sich bereits vielfältig und zahlreich. Allein sechs Millionen junge Menschen gestalten Demokratie und Gesellschaft in Jugendverbänden mit. 41,9 % der 14- bis 29-Jährigen sind bereits ehrenamtlich engagiert, weitere 47,2 % sind bereit, dies zu tun. Die Engagement-Beteiligung ist in den jüngeren Altersgruppen am höchsten. Es mangelt also nicht an der Bereitschaft junger Menschen, sondern an geeigneten Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement und einer bedarfsgerechten Ausstattung der demokratischen Jugendselbstorganisationen. Trotzdem wird das Engagement junger Menschen in den aktuellen Debatten bewusst in den Hintergrund geschoben. Stattdessen wird die Diskussion von der Vorstellung dominiert und legitimiert, die junge Generation müsse einen besonderen „gesellschaftlichen Pflichtbeitrag“ leisten.
Dieses Narrativ verkennt nicht nur die tatsächliche Leistung junger Menschen, sondern reproduziert auch eine adultistische Sichtweise: Junge Menschen müssten sich gesellschaftliche Anerkennung erst „verdienen“, während älteren Generationen und ihren Interessen eine höhere Legitimität zugeschrieben wird. Mit dem vielfach beschworenen Anspruch der Bundesregierung auf „Generationengerechtigkeit“ hat dies wenig zu tun.
Wir stellen uns deshalb gegen:
- die Einführung eines gesellschaftlichen Pflichtjahres bzw. Zivildienstes,
- verpflichtende Musterungen für junge Männer,
- jeden verpflichtenden Einzug junger Menschen in die Bundeswehr, unabhängig von Auswahlverfahren,
- jede Form indirekter oder vorbereitender Zwangsrekrutierung, etwa durch verpflichtende Erfassungen oder Bereitschaftserklärungen.
Wir fordern:
- eine Erhöhung und Dynamisierung des Kinder- und Jugendplans des Bundes als zentrales Förderinstrument für das freiwillige Engagement von, mit und für junge Menschen,
- einen Rechtsanspruch auf Freiwilligendienste,
- umfassende und ausgewogene Information über zivile und soziale Engagementmöglichkeiten,
- eine perspektivische Vergütung von Freiwilligendiensten auf Niveau der Entlohnung eines Wehrdienstes,
- kostenlose Mobilität im Nah- und Fernverkehr für junge Menschen in Freiwilligendiensten,
- den Ausbau unabhängiger Beratungsstrukturen zur Kriegsdienstverweigerung.
Sollte an einem Wehrdienst festgehalten werden, muss zumindest gewährleistet sein, dass zivile Freiwilligendienste strukturell, finanziell und gesellschaftlich gleichgestellt werden.
Falls entgegen unserer Forderung eine Bedarfswehrpflicht beschlossen wird:
- müssen junge Menschen über ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung informiert werden,
- muss eine Verweigerung durch einfache Verneinung möglich sein,
- muss verweigernden jungen Menschen die Musterung – wie gerade in Teilen für die Jahrgänge 2008 bis 2010 praktiziert – erspart bleiben,
- müssen niedrigschwellige, unabhängige Beratungsangebote garantiert werden.
Während Verteidigung und Aufrüstung stark ausgebaut werden, geraten soziale Sicherungssysteme, Klima- und Umweltschutz sowie Jugend- und Bildungsangebote unter finanziellen Druck. Gerade junge Menschen spüren diese Verschiebung doppelt: durch Kürzungen in Bereichen, die ihre Zukunft betreffen, und durch zusätzliche Erwartungen an Engagement und Verzicht.
Der deutliche Anstieg von Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung (fast 7.000 für das Jahr 2025) zeigt, dass viele junge Menschen nicht bereit sind, sich in militärische Logiken einbinden zu lassen. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen befähigt und unterstützt werden, diese Beratungsarbeit zu leisten. Verbände wie die Naturfreundejugend und die NaturFreunde können hierbei eine wichtige Rolle spielen, indem sie Räume und Strukturen zur Verfügung stellen und geschulte Ehrenamtliche mobilisieren. Eine solche Beratung stärkt eine demokratische und friedensorientierte Zivilgesellschaft.
Zusätzlich sind unsere Mitglieder dazu aufgerufen, junge Menschen, Jugendverbände und Schüler*innen bei ihren Protesten aktiv zu unterstützen.

